Cuba im Film

festival del cine cubano
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:


Cuba im Film - Festival de Cine Cubano


Cuba im Film
Willkommen zum 25. Festival „Cuba im Film“

Wir sind stolz und glücklich, in diesem Jahr - trotz pandemiebedingter Verzögerung und in etwas kleinerem Format - unser 25. Festival präsentieren zu können.
Am Anfang stand die Idee, unserem deutschen Publikum einen Eindruck vom Leben und der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Cuba zu vermitteln, und zwar durch das Medium Film. Bereits kurz nach der Revolution 1959 war in Cuba ein Kulturgesetz erlassen worden, in dem es lapidar hieß: „Film ist Kunst“. In der Folge wurden während der 1960er Jahre neben wenigen Spielfilmen hauptsächlich Dokumentar-, Kurz- und Lehrfilme produziert. Seit den 1970er Jahren entstanden zunehmend aufwändigere abendfüllende Spielfilme mit einem sehr eigenen Stil, die zum Teil wichtige internationale Filmkunstpreise gewannen. Einige davon lagen in Europa bei Verleihern oder in Archiven vor. Sie bildeten die ersten Programme, bevor wir Kontakt zur kubanischen Filmszene und dem kubanischen Filminstitut ICAIC aufgebaut hatten. Jedes Jahr sind einige dieser Filmperlen auf unserem Festival wieder zu entdecken.
Mit den Jahren wuchs „Cuba im Film“ dank neuer Produktionen heran, wir konnten ein 10-tägiges Programm präsentieren und bekannte Regisseure wie Fernando Pérez, Humberto Solás und Schauspieler*innen wie Luis Alberto García, Héctor Noas, Jorge Perugorría, Laura de la Uz und Luisa Maria Jiménez waren bei uns zu Gast. Und unser Publikum wuchs mit. Die Präsenz von „Cuba im Film“ auf dem Filmfestival von Havanna wurde zu einer Selbstverständlichkeit und das Knowhow des Festivalteams wird von anderen Festivals und Journalisten angezapft, die zu diesem Thema arbeiten. Diverse Rahmenprogramme und zahlreiche Kooperationen mit anderen Festivals sind Teil unserer Arbeit. In diesem Jahr ist es die Zusammenarbeit mit den Opelvillen, wo noch bis zum 20. September die Ausstellung „Liebesgrüße aus Havanna“ zu sehen ist.

Diese Ausstellung ist auch ein Spiegelbild der extremen Lage, in der sich Cuba derzeit befindet.
Seit dem 19. April 2018 ist Miguel Díaz Canel, Präsident des Staats- und Ministerrats und seit dem 10. Oktober 2019 Staatspräsident der Republik Cuba; der erste, der beim Nachnamen genannt wird. Zeitgleich weht ein stürmischer Wind von Norden her. Noch nie hatte die Blockade der Insel durch Washington einen so aggressiven und geradezu erdrosselnden Charakter. Díaz Canel hätte sich keinen schlechteren Moment für die Präsidentschaft aussuchen können. Das Wirtschaftswachstum belief sich 2019 nach Regierungsangaben auf gerade noch 0,6 %. Und dann kam Corona. Am 21. März wurde der harte touristische Lockdown verkündet, diese Devisenquelle ist erst einmal versiegt. Auch die Überweisungen von Auslandskubanern sinken aufgrund der weltweiten Krise massiv. Die enorm wichtigen Deviseneinnahmen für Kubas medizinische Dienstleistungen im Ausland sind ebenfalls deutlich weniger geworden, seitdem in Brasilien ein rechtsextremer Präsident und Kumpel von Trump regiert und Cuba aus Sicherheitsgründen seine bedrohten dort tätigen Mediziner abziehen musste. Dies kann nicht ausreichend durch die Entsendung spezieller COVID 19 Brigaden in andere Staaten kompensiert werden, zumal die US-Politik alle Empfängerländer unter Druck setzt. Venezuela hingegen kann aus bekannten Gründen immer weniger Öl im Austausch für die kubanischen Fachkräfte liefern. Und aufgrund einer verzweifelt um sich schlagenden Trump Regierung, die im Swing State Florida bei Exilkubanern Punkte machen möchte, wird die bestehende Blockade der Insel im Monatstakt mit immer neuen Verschärfungen angereichert, die in ihrer Gesamtheit Cuba erheblichen materiellen Schaden zufügen. Was die Inselkubaner davon halten, ist Washington völlig egal (im August schloss der US-Technologiekonzern Google LLC auf Druck der US-Regierung sogar die Youtube-Konten mehrerer kubanischer Medien).

Der kubanische Alltag ist also derzeit von einer sich deutlich verschärfenden Krise geprägt, die Versorgungsengpässe lassen Erinnerungen an die traumatischen 90er Jahre wach werden. Es gibt nun als Gegenmaßnahme ein anspruchsvolles Reformprogramm, das den Betrieben mehr Autonomie zugesteht und den privaten Bauern wie den landwirtschaftlichen Kooperativen unterschiedliche Produktionsanreize bieten soll. Nach der Verfassungsreform steht ferner die Neuorientierung der öffentlichen Verwaltung auf der Agenda, mit dem Ziel der Stärkung einer föderalen gegenüber der bisherigen zentralistischen Struktur.

Trotz der erwähnten Extrembedingungen gelang es Havanna, die Pandemie vergleichsweise gut unter Kontrolle zu halten, schon die Installierung eines Frühwarnsystems in Gestalt der aufsuchenden Arbeit von Mitarbeitern des Gesundheitswesens, die von Tür zu Tür zogen und Befindlichkeiten und Symptome erfragten, war äußerst wirkungsvoll. Unsere Veranstaltung zum kubanischen Gesundheitswesen mit Dr. Klaus Piel von der Humanitären Cubahilfe e.V. wird sich eingehender mit dieser Thematik befassen.

Die Filmproduktion und -kultur ist selbstredend durch die pandemische Situation schwer getroffen worden. Andererseits gibt es auch einen Lichtblick: Nachdem seit langen von den Filmschaffenden ein Filmgesetz gefordert worden war (wir hatten bereits im letzten Jahr darauf hingewiesen), gibt es jetzt einen neuen rechtlichen Rahmen, das Dekret 373, das Independent- Produktionen absichert. Während unabhängige Filmemacher und Produzenten bisher in einer Grauzone arbeiten mussten und irgendwie geduldet wurden, können sie nun bei der neu geschaffen Filmförderung, die beim Filminstitut ICAIC angesiedelt ist, Unterstützung beantragen.
Gewiss sind die Einschätzungen der Betroffenen unterschiedlich, was die Umsetzung anbelangt, dennoch „ist es das erste Mal, dass (unabhängige) Filmemacher eine direkte Finanzierung vom Staat erhalten“(Produzentin Claudia Calvino, zit. nach „Der Freitag“ 51/2019). Auch bringt das Dekret eine Stärkung sicherer Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung. „Vielleicht werden 20 Filme mehr gemacht, von 20 jungen Leuten, denen eine Möglichkeit gegeben wird und die deshalb nicht das Land verlassen, um ihre Filme woanders zu drehen“(Produzent Ricardo Figueredo, ebd.).Die Zahl ausschließlich durch den Staat produzierter Filme ist mangels Ressourcen immer weiter zurückgegangen, im selben Maße haben Koproduktionen mit dem Ausland und eben unabhängige Produktionen an Bedeutung gewonnen. Deswegen kommt dem neuen Dekret so große Bedeutung zu.
Im Zentrum unseres Festivals stehen aber in diesem Jahr noch drei aktuelle ICAIC Produktionen und deutsche Erstaufführungen („Nido de mantis“von Arturo Sotto,“Inocencia“ von Alejandro Gil und „Club de Jazz“ von Esteban Insausti) - allerdings teilweise mit ausländischer Koproduktion - , in denen sich das breite stilistische und inhaltliche Spektrum des Filmschaffens in Cuba abbildet. Ferner freuen wir uns, mit „Insumisas“ auch den jüngsten Film von Fernando Pérez, des bekanntesten Regisseurs von der Insel, präsentieren zu können. Von Arturo Infante haben wir schon mehrere Kurzfilme bei uns vorgestellt und zeigen in diesem Jahr nun seinen ersten mit Science Fiction Elementen angereicherten Langfilm „El extraordinario viaje de Celeste Mendoza“, der auch einen deutschen Verleih gefunden hat. Und mit „Agosto“ haben wir schließlich ein im letztjährigen Filmfestival in Havanna als bester Erstlingsfilm ausgezeichnetes Werk von Armando Capó Ramos im Gepäck, eine weitere deutsche Erstaufführung. Ein Wiedersehen mit Klassikern der Filmgeschichte darf in unserem Jubeljahr natürlich nicht fehlen, zumal die Auseinandersetzung mit der cineastischen Tradition auf der Insel von unserem Publikum immer schon wertgeschätzt wurde. Neben den international bekannten Werken wie „Memorias del Subdesarrollo“ – „Erinnerungen an die Unterentwicklung“ von T.G. Alea, „Lucia“ von Humberto Solás und anderen steht die Wiederentdeckung des in Vergessenheit geratenen Dokumentarfilmers Nicolas Guillén Landrián auf dem Programm, der stilistisch neue Wege ging.

Leider wird es in diesem sehr speziellen Jahr keine Filmemacher oder andere Gäste aus Cuba geben. Ein- und Ausreisen sind derzeit nicht möglich. Die deutsche Botschaft stellt nur in Notfällen noch Visa aus, außerdem gibt es bis auf weiteres keine regulären Flüge.

Aus naheliegenden Gründen müssen wir in diesem Jahr auch auf das traditionelle Konzert verzichten.

Trotz aller Einschränkungen freuen wir uns auf Sie und darauf, Ihnen endlich wieder die aktuellen Produktionen von der Insel präsentieren zu können. Der Brückenschlag zwischen den Kulturen mittels des Mediums Film ist schließlich umso wichtiger, solange die physische Begegnung mit den Menschen auf Cuba nicht möglich ist.

Wir laden Sie ein ins Filmforum Höchst zu einer cineastischen Kurzreise nach Cuba und freuen uns auf Sie und den Austausch nach gemeinsamem Filmgenuss!

 


        
Sonderveranstaltung

Das kubanisch Gesundheitssystem, Kubas medizinischer Internationalismus, die US-Blockade und COVID-19                           
Spätestens seit der Bekämpfung des Ebola-Ausbruches in Westafrika 2014/15 und der COVID-19 Pandemie 2020 sind Kubas weltweite medizinische Einsätze auch ein Thema der Mainstreammedien. Selbst die New York Times lobte diesen Einsatz in Leitartikeln. Aktuell wird speziell das medizinische Kontingent Henry Reeve, geschult für Einsätze bei Naturkatastrophen und Epidemien,  jetzt erneut zum Friedennobelpreis vorgeschlagen, auch von der WHO, die kubanische Ärzte immer wieder angefordert hat und ihren Einsatz aufs Höchste lobt und auszeichnet. Andere Kräfte, speziell die USA, versuchen, diesen Einsatz zu desavouieren und zu sanktionieren. So spricht man einerseits bei den kubanischen Gesundheitsexperten von Agenten, andererseits bezeichnet man sie als Sklaven eines diktatorischen Systems. Schon lange bemüht sich die USA mittels eines speziellen Programms, kubanische Ärztinnen und Ärzte auf ihren Auslandseinsätzen abzuwerben und Kuba so zu schwächen. Jetzt sollen sogar die Staaten sanktioniert werden, die kubanische medizinisch Spezialisten zum Wohle ihrer Bevölkerung anfordern.
Klaus Piel, selbst Arzt, Vorsitzender der Humanitären Cuba Hilfe e.V. in Bochum und Vorstandsmitglied von mediCuba-Europa, will versuchen, Licht in diesen Dschungel von Fakten, Meinungen, Halbwahrheiten und ganz vielen Fake News zu bringen. Er wird das etwas andere Gesundheitsmodell Kubas vorstellen, auf die Motivation und den Erfolg der internationalen Einsätze eingehen und Kubas Kampf gegen die Coronapandemie im eigenen Land und weltweit schildern.
Auch die völkerrechtswidrige US-Blockade, die das Land zu strangulieren droht und eine wirtschaftliche Erholung und Entwicklung unmöglich macht, und die weltweiten Proteste dagegen werden zur Sprache kommen.
Eintritt frei. Spenden für die Humanitäre Cuba Hilfe e. V. erwünscht.
Samstag, den 3. Oktober,:15:30 Uhr
Saalbau Gallus
Fritz-Bauer-Saal
Frankenallee 111
60326 Frankfurt (S-Bahn/Straßenbahn Galluswarte)

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü